Parascha Inspiration – Dwarim

וָאֲצַוֶּה֙ אֶת־שֹׁ֣פְטֵיכֶ֔ם בָּעֵ֥ת הַהִ֖וא לֵאמֹ֑ר שָׁמֹ֤עַ בֵּֽין־אֲחֵיכֶם֙ וּשְׁפַטְתֶּ֣ם צֶ֔דֶק בֵּֽין־אִ֥ישׁ וּבֵֽין־אָחִ֖יו וּבֵ֥ין גֵּרֽוֹ: לֹֽא־תַכִּ֨ירוּ פָנִ֜ים בַּמִּשְׁפָּ֗ט כַּקָּטֹ֤ן כַּגָּדֹל֙ תִּשְׁמָע֔וּן לֹ֤א תָג֨וּרוּ֙ מִפְּנֵי־אִ֔ישׁ כִּ֥י הַמִּשְׁפָּ֖ט לֵֽאלֹהִ֣ים ה֑וּא וְהַדָּבָר֙ אֲשֶׁ֣ר יִקְשֶׁ֣ה מִכֶּ֔ם תַּקְרִב֥וּן אֵלַ֖י וּשְׁמַעְתִּֽיו:

Und ich gebot euren Richtern zu jener Zeit und sprach: «Hört eure Brüder an und richtet recht zwischen einem Mann und seinem Bruder oder dem Fremden bei ihm. Im Gericht soll es kein Ansehen der Person geben, sondern ihr sollt den Geringen anhören wie den Großen und euch vor niemandem scheuen; denn das Gericht steht bei Gott. Die Sache aber, die zu schwer für euch ist, die tragt an mich heran, dass ich sie höre!»

5.Mose 1, 16-17

Diese Woche beginnen wir mit dem Buch Dwarim (5.Mose). Die historischen Schilderungen sind abgeschlossen und die Kinder Israels sind versammelt und bereit, ins verheißene Land hineinzugehen. Mose dagegen bleibt es verwehrt, das Land zu betreten. Dies ist das Szenario, in welchem Mose den Kindern Israels die bedeutende Predigt hält. Das Buch Dwarim erzählt nochmals die Reise des Volkes HaSchems nach, heraus aus der Sklaverei in die Freiheit, von einer zusammengewürfelten Gesellschaft zu einer entstehenden Nation. Es ist Mose nicht erlaubt, das Land zu betreten, weshalb er nun noch einmal viel Zeit aufwendet, die Kinder Israels wegen ihrer Handlungsweisen zurechtzuweisen. Auch wiederholt Mose viele der Gebote, die HaSchem den Kindern Israels gegeben hatte.

Bei dieser Zusammenfassung erzählt Mose den Kindern Israels noch einmal von der Ernennung der Richter. 5.Mose 1,13 berichtet uns, dass die Kinder Israels selber weise Männer als Richter ausgewählt hatten. Deren Funktion war es, bei Streitigkeiten zwischen Brüdern Recht zu sprechen. Streitigkeiten über was? Streitigkeiten über die Torah. In anderen Worten, diese Richter sollten Meinungsverschiedenheiten über die Halacha beilegen, welche in der Nation Israel aufkamen.

In unserem «modernen» Verständnis der Torah versuchen wir häufig, die Mizwot in verschiedene Gruppen einzuteilen. Einige, so sagen wir, sind «zeremonielle Gebote», einige sind rechtliche Gebote und andere «sonstige Gebote». Damit versuchen wir, einigen Geboten mehr Gewicht zu verleihen, während wir die Wichtigkeit anderer Gebote verringern. So sagen wir zum Beispiel, es gäbe nur zwei wirklich wichtige Gebote, HaSchem zu lieben und unseren Nachbarn wie uns selbst. Dies ist aber nicht das, was Jeschua gelehrt hat

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um die Torah oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein der Torah vergehen, bis alles geschehen ist, das geschehen muss. Wer nun eines von diesen kleinsten Mizwot auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber befolgt und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. (Matth.5,17-19)

Jeschuas Aussage ist klar, alle Gebote sind wichtig. Aus diesem Grund ist die bestimmende Funktion der Richter darüber, wie Israel die Gebote zu befolgen hat, für ganz Israel von groβer Wichtigkeit.

Mose erklärt im Vers 16 den Richtern, sie sollen die Streitigkeiten שָׁמֹ֤עַ, hören. Dieses Wort «hören» steht im Partizip Präsens. Der Gedanke dahinter ist, dass der Vorgang des Hörens ein kontinuierlicher Vorgang ist, auch heute noch. Mose begründete, unter Anweisung von HaSchem, das System, welches Israel anwenden wird, um zu bestimmen, wie Israel die Gebote HaSchems befolgen wird. Die Anordnung der Halacha wurde als Anweisung HaSchems geboten. Es ist wichtig, zu verstehen, dass die eingesetzten Richter Männer von Weisheit und Verständnis waren. HaSchem erklärt nicht einzelnen Individuen innerhalb Israels, wie in Israel die Torah befolgt werden muss, sondern, die Torah muss durch Richter ausgelegt werden, welche von den Kindern Israels ausgewählt worden waren. Das Verständnis der praktischen Auslegung der Torah kommt von weisen Männern innerhalb Israels. Praktisch angewandte Torah heißt, wie die aus dem Mund G-ttes durch Mose empfangene Torah angewendet werden soll – und dies wird durch ernannte Richter, in einem Prozess der Debatte, bestimmt. Dieser Prozess der Entwicklung des Verständnisses der Halacha wurde bis zur Zeit Esras innerhalb Israels ständig überliefert. Esra entwickelte diesen Prozess weiter und setzte die Methodik von Entwicklung der Halacha in Gang, die wir auch heute noch haben. Dies alles begann bei den Kindern von Israel in der Wüste, wie Mosche Rabenu in seiner groβen Predigt im Buch Dwarim noch einmal erzählte.

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Rabbi Steven Bernstein

Steve was born on Lag B’Omer in Ann Arbor, MI but was raised in Gainesville, FL. The son of two University of Florida professors, he excelled in the sciences in school. In addition to his normal academic studies, he pursued his Jewish education studying with many Rabbis and professors of Judaic Studies from the University including visiting Rabbis such as Abraham Joshua Heschel and Shlomo Carlebach.