Parascha Inspiration – Bereschit

Diese Woche beginnen wir mit Paraschat Bereschit den neuen Zyklus der Wochenlesungen. Die Torah fängt an mit der Geschichte der Erschaffung der Himmel (Schamajim) und der Erde (HaArez). In dieser Erzählung finden wir vier der fünf möglichen Ausdrücke, die mit Geist oder Seele übersetzt werden. 1.Mose 1,2 erwähnt ‘Ruach Elohim’, übersetzt als ‘Geist Gottes’. In 1.Mose 1,24 finden wir zwei Begriffe: ‘Nefesch’ und ‘Chaja’. Diese zwei Begriffe werden zusammen als ein Begriff übersetzt: ‘lebendige Geschöpfe’. 1.Mose 1,30 übersetzt Nefesch Chaja als ‘lebendiger Geist’. 1.Mose 2,7 sagt, G-tt blies Nischmat Chajim (Seele des Lebens) in die Nase des Mannes.

Jeder dieser vier Begriffe, Nefesch, Ruach, Neschama und Chaja, benennt etwas anderes. Es existieren keine entsprechenden Übersetzungen dieser Begriffe in Englisch oder in irgendeiner germanischen oder romanischen Sprache. Die Weisen erklären uns die unterschiedlichen Nuancen dieser Begriffe aus Studien der Begriffe innerhalb des Tanachs. Nefesch existiert innerhalb von Zeit und Raum. Neschama und Chaja existieren außerhalb von Raum und Zeit. Ruach existiert außerhalb von Zeit und Raum, ist aber eine Brücke hinein in Zeit und Raum.

In dieser Parascha sehen wir Beschreibungen der Schöpfung außerhalb von Raum und Zeit, sowie der Schöpfung innerhalb von Raum und Zeit, der Erde. Es ist sehr wichtig, dass wir die Unterschiede zwischen der Erschaffung dieser zwei Herrschaftsbereiche erkennen können. Wenn wir diese Unterschiede nicht beachten, werden wir große Teile der Schrift missverstehen und fehlinterpretieren, und zwar des Alten wie des Neuen Testaments. Die Dinge, die in den Himmeln (Plural, denn es gibt mehrere Himmel) existieren, existieren nicht auf der Erde, es gibt sie also nicht innerhalb von Raum und Zeit. Wenn wir versuchen, die Erzählungen der Schrift in die falsche Umgebung zu setzen, werden wir missverstehen, was HaSchem uns mit diesen Erzählungen zu lehren versucht. Dasselbe gilt auch, wenn wir Erzählungen, welche in Raum und Zeit stattfinden, außerhalb von Raum und Zeit ansiedeln – wir werden komplett missverstehen, was HaSchem uns beizubringen versucht.

Eine der großartigen Lektionen dieser Parascha (es gibt viele großartige Lektionen in dieser Parascha) ist, dass der Mensch ein Geschöpf ist, das sowohl innerhalb von Zeit und Raum existiert, sowie auch außerhalb davon. Wir versuchen immer wieder, unsere Existenz außerhalb von Raum und Zeit zu erklären, indem wir sie ‘unsere Seele’ nennen. In dieser Parascha sehen wir, dass dies eine gewaltige Übervereinfachung der majestätischen und wunderbaren Schöpfung ist, welche HaSchem geschaffen hat. Wenn wir gewisse Dinge als spirituell oder geistlich bezeichnen, sind wir nicht präzise in der Betrachtung der Schrift. Dies führt zu einer Vielzahl von Missverständnissen. In unseren zukünftigen Studien sollten wir uns um eine präzisere Wortwahl bemühen, unsere Terminologie präzisieren. Was meinen wir wirklich, wenn wir den allgemeinen Begriff ‘geistlich’ verwenden? Meinen wir den Ruach? Oder meinen wir die Neschama? Oder die Chaja? Die Präzisierung unserer Ausdrucksweise wird uns in Gesprächen untereinander, wie auch innerhalb des Leibes des Messias und mit Ungläubigen helfen. Ungenauigkeit in der Wortwahl wird zu Missverständnissen und Verwirrung führen. In den Worten von Rebbezin Roni: «Schlechte Wortwahl bedeutet schlechte Theologie.»

Schabbat Schalom

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Rabbi Steven Bernstein

Steve was born on Lag B’Omer in Ann Arbor, MI but was raised in Gainesville, FL. The son of two University of Florida professors, he excelled in the sciences in school. In addition to his normal academic studies, he pursued his Jewish education studying with many Rabbis and professors of Judaic Studies from the University including visiting Rabbis such as Abraham Joshua Heschel and Shlomo Carlebach.