Parascha Inspiration – Ki Teze

כִּֽי־יִקַּ֥ח אִ֛ישׁ אִשָּׁ֖ה וּבְעָלָ֑הּ וְהָיָ֞ה אִם־לֹ֧א תִמְצָא־חֵ֣ן בְּעֵינָ֗יו כִּי־מָ֤צָא בָהּ֙ עֶרְוַ֣ת דָּבָ֔ר וְכָ֨תַב לָ֜הּ סֵ֤פֶר כְּרִיתֻת֙ וְנָתַ֣ן בְּיָדָ֔הּ וְשִׁלְּחָ֖הּ מִבֵּיתֽוֹ:

Wenn ein Mann eine Frau nimmt und mit ihr schläft, und sie in seinen Augen keine Gunst findet, weil er eine ungebührliche [sittliche] Sache an ihr entdeckt, dann schreibt er für sie einen Scheidebrief, drückt ihn ihr in die Hand und schickt sie weg aus seinem Haus.

5.Mose 24,1

בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים, לֹא יְגָרֵשׁ אָדָם אֶת אִשְׁתּוֹ אֶלָּא אִם כֵּן מָצָא בָהּ דְּבַר עֶרְוָה, שֶׁנֶּאֱמַר (דברים כד), כִּי מָצָא בָהּ עֶרְוַת דָּבָר. וּבֵית הִלֵּל אוֹמְרִים, אֲפִלּוּ הִקְדִּיחָה תַבְשִׁילוֹ, שֶׁנֶּאֱמַר (שם), כִּי מָצָא בָהּ עֶרְוַת דָּבָר. רַבִּי עֲקִיבָא אוֹמֵר, אֲפִלּוּ מָצָא אַחֶרֶת נָאָה הֵימֶנָּה, שֶׁנֶּאֱמַר (שם), וְהָיָה אִם לֹא תִמְצָא חֵן בְּעֵינָיו:

Das Haus Schammai sagt: Ein Mann darf sich nicht von seiner Frau scheiden lassen, es sei denn, er findet heraus, dass sie eine verbotene sexuelle Handlung [dewar erwah] begangen hat, d.h., dass sie Ehebruch beging oder verdächtigt wird, dies zu tun, wie es heißt: „Weil er etwas Unschickliches [erwat dawar] an ihr gefunden hat, schreibt er ihr eine Trennungsurkunde.“ (5.Mose 24,1) Und das Haus Hillel sagt: Er kann sich auch wegen einer geringfügigen Sache von ihr scheiden lassen, z.B. weil sie sein Essen verbrannt oder versalzen hat, wie es heißt: „Weil er etwas Unschickliches an ihr gefunden hat“, was bedeutet, dass er irgendeinen Mangel an ihr gefunden hat. Rabbi Akiva sagt: Er kann sich auch dann von ihr scheiden lassen, wenn er eine andere Frau gefunden hat, die besser aussieht als sie und die er heiraten will, wie es in diesem Vers heißt: „Und es geschieht, wenn sie keine Gunst in seinen Augen findet“ (5.Mose 24,1).

Mischnah Gittin 9:10

Sie sagten zu ihm: Weshalb hat Mose geboten, ein Mann solle seiner Frau einen get (Scheidebrief) geben und sich von ihr scheiden? Er antwortete: Mose hat euch wegen euren verhärteten Herzen erlaubt, euch von euren Frauen zu scheiden; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber: Wer immer seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. (Matthäus 19,7-9)

Die Torah-Lesung dieser Woche enthält 74 Mizwot (Gebote). Darunter findet sich auch das Verfahren der Ehescheidung. In Jeschua-gläubigen Kreisen wird das, was Jeschua in Matthäus 19 dazu sagt, oft missverstanden, denn seine Aussagen müssen im Kontext mit der mündlichen Mesorah (mündlichen Überlieferung) der damaligen Zeit verstanden werden.

Jeschua sagt hier ganz klar, dass eine Ehescheidung nur im Fall von Ehebruch zulässig ist. Kein anderer Grund reicht aus, um eine Scheidung zu rechtfertigen. Und er sagt klar, dass die Wiederheirat von jemandem, der aus einem anderen Grund als wegen Ehebruchs geschieden wurde, an sich schon Ehebruch ist. Jeschua machte diese Aussagen im Wissen, dass seine Zuhörer die berühmte Debatte zwischen Hillel und Schammai, welche in die mündliche Mesorah aufgenommen worden war, genau kannten!

Mischnah Gittin endet mit dieser berühmten Debatte. Schammai sagt, eine Scheidung ist nur im Falle von Ehebruch erlaubt. Hillel sagt, auch ein angebranntes Abendessen kann ein Scheidungsgrund sein. Und damit endet das Mischnah-Traktat Gittin. Ohne eine Lösung für die Debatte. Und dies ist Absicht! Wie lautet der Standpunkt von Schammai? Sehr einfach: Eine Scheidung darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Sie ist ein letzter Ausweg und darf nicht leichtfertig ausgesprochen werden. Und was meint Hillel? Auch sein Argument ist einfach. Im Falle einer Scheidung gilt es, zahlreiche Umstände zu beachten. Jede Ehescheidung ist anders und jede ist für die Betroffenen belastend. Das Gericht muss in jedem einzelnen Fall alle Umstände berücksichtigen. Die Mischnah bringt aus einem sehr wichtigen Grund keine Lösung für diese Debatte: Beide Standpunkte sind absolut richtig. Eine Scheidung ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann. Es führen viele, viele verschiedene Umstände zu einer Scheidung und sie alle haben einen direkten Einfluss darauf, ob eine Scheidung gewährt werden sollte oder nicht. Diese Umstände müssen in jedem einzelnen Fall neu beurteilt werden, und es ist nicht möglich, eine allgemeine Regel aufzustellen.

Nun haben wir den Kontext von Jeschuas Aussage dargelegt. Er sagt das gleiche wie Schammai: Eine Scheidung darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Scheidung ist ein letzter Ausweg. Jeschua verdeutlicht mit seinen Worten die Aussage Schammais. Und damit entkräftet er keineswegs die Position von Hillel. Die Menschen, welche Zeugen dieser Diskussion waren, verstanden dies. Es gibt viele mögliche Umstände, die zu einer Scheidung führen können und Jeschua anerkennt dies. Jeschua sagt einfach, man dürfe eine Scheidung nicht leichtfertig aussprechen. Er geht nicht auf die Umstände ein, die zu einer Scheidung führen können, wie etwas Missbrauch, Abhängigkeit von Substanzen, finanzielle Misswirtschaft u.a.m. Doch damit erlässt Jeschua keineswegs ein allgemeingültiges Gesetz gegen Scheidung, die nicht aufgrund von Ehebruch ausgesprochen wird. Die mündliche Mesorah macht deutlich, dass es schlicht unmöglich ist, mit einer allgemeingültigen Regelung den Umständen einer Scheidung gerecht zu werden, und die Position von Hillel bleibt bestehen. Als Jeschua hier das Thema der Ehescheidung ansprach ging es ihm nicht darum festzulegen, in welchem Fall eine solche zulässig ist, sondern:

Eine Scheidung ist für die Betroffenen ein äußerst schwerwiegendes und traumatisches Erlebnis. Wir sind dazu aufgerufen, die Betroffenen einfach zu lieben und ihnen in dieser schwierigen Zeit zu helfen, so gut wir können.

Schabbat Schalom.

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Rabbi Steven Bernstein

Steve was born on Lag B’Omer in Ann Arbor, MI but was raised in Gainesville, FL. The son of two University of Florida professors, he excelled in the sciences in school. In addition to his normal academic studies, he pursued his Jewish education studying with many Rabbis and professors of Judaic Studies from the University including visiting Rabbis such as Abraham Joshua Heschel and Shlomo Carlebach.